Eisenbahnnostalgie

Von Dampflok-Zügen, Bahnhöfen und Bahnstrecken

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Transitzüge

… zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik

Der gesamte Bahnverkehr der SBZ/DDR und in der Vier-Mächte Stadt Berlin lag bei der Deutschen Reichsbahn und unterlag nicht den Regeln des privilegierten Eisenbahn-Durchgangsverkehrs. Auf West-Berliner Seite gab es keinen Grenzbahnhof und keine Kontrolle. Vor dem Bau der Berliner Mauer hielten Züge zwischen den Westzonen und Berlin auch auf Unterwegs-Bahnhöfen in der SBZ/DDR, etwa in Wittenberge, Magdeburg, Gotha, Jena und Saalfeld. Diese Halte entfielen mit dem Mauerbau, so dass die Züge ausschließlich dem Transitverkehr durch die DDR nach West-Berlin dienten.

Auf DDR-Gebiet wurden die Züge von Angehörigen einer Passkontrolleinheit des Ministeriums für Staatssicherheit und der Transportpolizei begleitet. Zur Überwachung der Grenzbahnhöfe gehörten Beschau-Brücken über die Gleise und Flutlichtanlagen. Als kurz nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 in den Augen der DDR-Staatsführung jeder DDR-Bürger als fluchtverdächtig galt, wurden die Transitzüge zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik bis in den Herbst 1961 von Reichsbahnern mit Wohnsitz in West-Berlin gefahren. Da die West-Berliner Bahnbelegschaft kaum Erfahrungen im Fahren von Schnellzügen und mit Schnellzug-Lokomotiven besaßen, wurden in kurzer Zeit zahlreiche Maschinen durch unsachgemäße Bedienung oder Wartung erheblich beschädigt, weshalb diese Praxis nach wenigen Wochen wieder aufgegeben wurde.

Mit dem Inkrafttreten des 1971 abgeschlossenen Transitabkommens im Juni 1972 erfolgte bei der Transitreise die Ausstellung des DDR-Transitvisums im fahrenden Zug, was die Wartezeiten an den Grenzbahnhöfen von bis zu einer Stunde auf fünf (im Falle eines Lokwechsels bis zu zwanzig) Minuten verkürzte. Im Verkehr mit Berlin fuhren die Transitzüge ohne planmäßigen Verkehrshalt durch die DDR. Notwendige Betriebshalte sicherte die Transportpolizei ab, indem sie den Zug so umstellte, dass kein DDR-Bürger die Wagen betreten und aus der DDR flüchten konnte. Derartige Betriebshalte gab es seit Mitte der 1980er Jahre regelmäßig zwischen Bebra und Berlin in Neudietendorf und Dessau, da zwischen diesen Bahnhöfen elektrisch gefahren wurde, ebenso in Camburg bei Jena sowie in Reichenbach auf dem Weg von und nach Hof. Die Betriebshalte fanden meist auf unbedeutenden, gut zu überwachenden Dorf- oder Vorort-Bahnhöfen statt, so das erwähnte Neudietendorf statt Erfurt Hbf.

Auf DDR-Gebiet sollten die Züge nicht unplanmäßig halten und nach Möglichkeit eine vorgegebene Mindestgeschwindigkeit nicht unterschreiten. Musste ein Zug wegen einer Störung oder aufgrund der Betriebslage doch einmal außerplanmäßig anhalten, war die Transportpolizei zu informieren, damit sie den Zug gegen unbefugtes Aus- und vor allem Einsteigen sicherte. Zudem reise auf DDR-Gebiet ein Begleit-Kommando aus Transportpolizei und Staatssicherheit in den Zügen mit, um sie bei außerplanmäßigen Halten gegen unbefugtes Ein- und Aussteigen zu sichern. Wegen des mangelhaften Erhaltungszustands der Gleisanlagen und dadurch bedingte Langsamfahrstellen war es oft nicht möglich, die vorgegebenen Fahrzeiten einzuhalten. Meist wurde im Fahrplan ein Zeitkanal von 5 bis 10 Minuten vor den Transitzügen freigehalten. Bei den Eisenbahnern trugen die Transitzüge daher Spitznamen wie "Zitteraal" oder "Angst", da die Sicherstellung der freien Fahrt immer eine Zitterpartie war. Wie nach 1990 bekannt wurde, waren die Züge oft von DDR-Spionen als rollende tote Briefkästen für ihr Nachrichtenmaterial genutzt worden.

Die Auslastung der Transitzüge wuchs nach dem Transitabkommen deutlich an, obwohl auch viele Transitreisende mit dem Pkw über die Transitautobahnen von und nach West-Berlin reisten. Zum Schluss fuhren die Züge mit bis zu 15 Wagen, der höchsten zulässigen Zuglänge bei europäischen Eisenbahnen im Personenverkehr, sodass die ersten oder letzten Wagen am Bahnhof Zoo außerhalb der Bahnsteiglänge zum Stehen kamen.

Außer den Zügen in die Bundesrepublik gab es von West-Berlin weitere Züge oder Kurswagenläufe ab Berlin-Zoo nach Kopenhagen über die Eisenbahnfähre Warnemünde – Gedser (Tageszug "Neptun", Nachtzug "Ostsee-Express"), nach Malmö und Stockholm über die Königslinie (Tageszug "Berlinaren", Nachtzug "Saßnitz-Express"), nach Wien (Tageszug "Vindobona", Kurswagen über Nacht mit dem "Sanssouci"). Über die Berliner Stadtbahn gab es zudem durchgehende Zugläufe von der Bundesrepublik und weiteren westlichen Staaten Richtung Polen und Sowjetunion, so den "Ost-West-Express" (Paris – Moskau, seit 1972 D 240/241). Die übrigen Zugverbindungen aus Ost- und Südost-Europa endeten am Ostbahnhof (seit 1987 Berlin Hauptbahnhof) oder in Berlin-Lichtenberg. West-Berlin konnte nur per S-Bahn über den Grenzübergang im Bahnhof Friedrichstraße mit dem dortigen Umstieg in die West-Berliner U-Bahn oder S-Bahn erreicht werden. Reisende aus West-Berlin mit dem Reiseziel DDR oder Ost-Berlin mussten in Berlin Friedrichstraße aussteigen und dort den Grenzübergang benutzen. Das Gleiche galt für den Weg aus der DDR/Ost-Berlin nach West-Berlin. Nur Transitreisende durch die DDR nach Drittstaaten durften die durchgehenden Züge von Berlin Friedrichstraße Richtung Berlin Ostbahnhof benutzen.