Eisenbahnnostalgie

Von Dampflok-Zügen, Bahnhöfen und Bahnstrecken

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Die Städteexpress-Züge der DR

Von Oktober bis Dezember 1976 wurden durch die DR schrittweise die Städteexpress-Züge eingeführt, die vor allem dem Fern-Berufsverkehr zwischen den Bezirksstädten der DDR und Berlin dienen sollten, konnten aber auch für private Reisen genutzt werden. Die Städteexpress-Züge führten nur Platzkartenwagen, waren aber nicht reservierungspflichtig und es war ein Expresszug-Zuschlag von 5 Mark erforderlich. Bei den Wagen für die Städteexpress-Züge handelte es sich um insgesamt 43 24,5 Meter-Wagen aus einer geplanten Exportlieferung des VEB Waggonbau Bautzen für die CSD, die durch den Auftraggeber in der CSSR aber nicht abgenommen wurden. Die Wagen hatten eine in orange-beige gehaltene Farbgebung mit hellgrauem Dach. Dadurch erhielt die DR erstmalig seit den 1960-er Jahren wieder Neubau-Reisezugwagen aus der Schienenfahrzeugindustrie der DDR. Mit dem Einsatz der Städteexpress-Züge führte die DR auch in der zweiten Klasse das Sechsplatzabteil ein. Zu den aus sechs bis acht Wagen zweiter Klasse und vier oder fünf Wagen erster Klasse gebildeten Städteexpress-Zügen gehörte ein farblich angepasster 18,4-Meter Speisewagen aus der Produktion des Raw Halberstadt. Als erster der Städteexpress-Züge verkehrte der Ex 150 "RENNSTEIG" von Meiningen am 25. Oktober 1976 in Richtung Berlin. Dieser Zug wurde als erster der Städteexpress-Züge am 02. Oktober 1976 auf dem Berliner Ostbahnhof der Öffentlichkeit präsentiert. Das erste Konzept sah eine einmalige tägliche Verbindung an Werktagen außer Samstag zwischen den Bezirksstädten der DDR und Berlin, sowie der Gegenrichtung vor.

Das die Städteexpress-Züge nicht gleichzeitig den Betrieb aufnehmen konnten, lag daran, dass im Herbst 1976 noch nicht genügend Wagen zur Verfügung standen und die Wagen erst nach und nach bis Ende November 1976 in Dienst gestellt werden konnten, oder wie es im Kursbuch der DR des Winterfahrplanes 1976/77 vermerkt war: "Zug verkehrt erst nach besonderer Bekanntgabe". Dabei war das Zugpaar Ex 131/136 "PETERMÄNNCHEN" von Schwerin nach Berlin und der Gegenrichtung - immer ohne Unterwegshalte - jahrelang mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 95,83 km/h, bzw. 98,55 km/h das schnellste Zugpaar der DR. Das Zugpaar Ex 170/177 "ELBFLORENZ" von Dresden nach Berlin verkehrte in den zwei Jahren 1976 und 1977, das Zugpaar Ex 141/146 "BÖRDE" von Magdeburg nach Berlin in den Jahren 1976 bis 1978 nach und von Berlin-Ostbahnhof, sowie der Zug Ex 100 "ELSTERTAL" von Gera nach Berlin im Winterfahrplan der Jahre 1976/77 nach Berlin-Baumschulenweg, während die anderen Städteexpress-Züge immer nach und von Berlin-Lichtenberg verkehrten.

Die Städteexpress-Züge ergänzten das System der Städteschnellverkehrszüge bei der DR. Die Fahrzeiten der Städteexpress-Züge lagen in Tagesrandlagen, die Ankunft in Berlin lag zwischen 08:00 und 10:00 Uhr und Abfahrt in Berlin zwischen 15:00 und 17:00 Uhr, so das ein mindestens sechsstündiger Aufenthalt in Berlin möglich war. Entsprechend der Zeit wurden die Städteexpress-Züge wie schon die Züge des Städteschnellverkehrs als "FDJ-Jugendobjekt" deklariert. Im Volksmund wurden die Städteexpress-Züge auf Grund ihrer nicht alltäglichen Farbgebung auch "Bananenzüge" oder "Apfelsinenzüge" genannt.

In den späteren Jahren wurde dieses Zugsystem weiter ausgebaut und den veränderten Gegebenheiten angepasst. Nach dem ersten Konzept sollten die Städteexpress-Züge mit zwei Diesellok der BR 118 oder einer Diesellok der BR 132 gefahren werden. Durch die Elektrifizierung der Hauptstrecken in den 1980-er Jahren wurden die Städteexpress-Züge dann mit Ellok der Baureihen 211 und später 250 oder 243 gefahren. Des Weiteren sollten diese Züge Neubau-Speisewagen des Waggonbau Bautzen erhalten.

Die Städteexpress-Züge verkehrten nur werktags von Montag bis Freitag. Der Vollständigkeit halber muss aber an dieser Stelle angemerkt werden, das in der zweiten Hälfte der 1980-er Jahre in der Fahrplanlage der an Sonntagen fahrplanmässig nicht verkehrenden Städteexpress-Züge Ex 166 "LIPSIA" von Leipzig nach Berlin, Ex 176 "BERLIN-EXPRESS" von Dresden nach Berlin und Ex 177 "ELBFLORENZ" von Berlin nach Dresden D-Züge als Entlastungszüge eingeführt wurden. Auch waren die drei Bezirksstädte Neubrandenburg, Frankfurt/Oder und Cottbus auf Grund der Entfernung von unter 150 km von Berlin nie an das Netz der Städteexpress-Züge angeschlossen. Laut einer Direktive zum XI. Parteitag der SED für den Fünfjahrplan 1986 bis 1990 sollten auch zwischen den Bezirksstädten der DDR Städteexpress-Züge eingeführt werden und damit wäre dieses Zugsystem dann wirklich zum IC-System der DR geworden. Auf Grund von immer mehr zunehmenden Mängeln am Streckenoberbau - Stichwort Alkalischwellen -, sowie der Streckenkapazität kam es aber nicht mehr dazu. Laut dem Protokoll der 20. Dienstbesprechung des Ministers für Verkehrswesen vom 29. Mai 1989 in Berlin gab es einen weitereren Grund: "wegen nicht ausreichenden Wagenpark konnten nicht alle Vorstellungen zur Entwicklung des schnellfahrenden Netzes der DR (z.B. Einführung von Ex-Zügen zwischen den Bezirksstädten) realisiert werden."