Das Bewusstsein des Menschen … oder Die Suche nach dem ICH
Seit jeher sucht der Mensch Antwort auf die vertrackteste aller Fragen: Wer bin ich? Und kann sich nie
sicher sein, ob das, was er findet, der Kern des Problems ist oder nur eine weitere Hülle. Menschen sind
sich ihrer selbst bewusst. Und keiner weiß mit Sicherheit, wie es dazu gekommen ist oder wozu das gut
sein soll. Seit jeher suchen Philosophen, das Mysterium zu deuten. Psychologen und Physiker haben sich
hinzugesellt – und Neurobiologen: Kann denn die Biomasse Hirn, können Zellen und Synapsen tatsächlich
etwas so Abstraktes wie das Ich erzeugen? Eine Frage, die zu neuen brillanten Theorien reizt.
Gedankenspiel: Ich bin. Ich weiß, daß ich bin. Ich weiß, dass ich weiß, dass ich bin… Immer so weiter
gedacht, erfasst einen dieser bodenlose Schwindel. Gewöhnlich nehmen wir als selbstverständlich hin,
dass wir erlebende, denkende und fühlende Wesen sind. Und dann, gelegentlich, ergreift uns wieder die
Rätselhaftigkeit des Ich-Erlebnisses: Man sitzt, vielleicht im Café, träumerisch in der Ecke, betrachtet
zerstreut die schwatzenden Leute und plötzlich überkommt einen dieses abgründige Staunen, “jemand” zu
sein und es obendrein zu wissen, hier und jetzt aus diesen Augen auf diese seltsame Welt zu schauen,
deren Dasein man ebenfalls nicht begreift. Schon Kinder können von solch existentiellem Schwindelgefühl
erfasst werden, wenn sie etwa herumgrübeln: Warum bin ich nicht jemand anders, meine Schwester zum
Beispiel? Würde es mich geben, wenn ich einen anderen Vater hätte? Warum lebe ich gerade jetzt und nicht
im Mittelalter oder in der Zukunft? Wie wäre es, wenn ich eine Katze wäre? Oder eine Fliege?
Bewusstsein. Das innere Erleben, das unsere Existenz als Person bedeutet, scheint im Kern unauflösbar
mysteriös zu sein. Die bis in die Neuzeit hinein kaum bezweifelte Überzeugung, ohne die unsere
christlich geprägte Kultur gar nicht denkbar ist, lautet: Denken und Fühlen sind die Zen-tren unserer
Person und gehören der unsterblichen Seele an, die, im Hirn angesiedelt, den Körper regiert. Die Seele
ist es, die uns ermöglicht, zu denken, zu empfinden. Doch diese so einleuchtend erscheinende
Konstruktion ist auf beunruhigende Weise fragwürdig geworden. Die Ergebnisse der Neurobiologie, der
Psychologie und der Theorie neuronaler Netze lassen es mittlerweile mehr als plausibel erscheinen, dass
selbst unsere höchsten Geistesgaben vergängliche Fähigkeiten eines vergänglichen Gehirns sind. Was also
ist das Ich? Was ist das innere Erleben? Immer noch bezeichnen diese Fragen den Mount Everest der
Philosophie, das vertrackteste Rätsel der Wissenschaft. Drei Probleme sind es vor allem, die das
Bewußtsein so mysteriös machen:
• Wie kann aus materiellen Hirnvorgängen unser geistiger Kosmos von Farben und Düften, Freude und Leid
entstehen?
• Wie steht es mit dem Bewusstsein anderer Wesen, etwa Hunden, Muscheln oder Bienen?
• Wieso haben wir überhaupt innere Erlebnisse? Könnten wir nicht vollkommen unbewusst funktionieren?