Bibliothek des Wissens

Inspirationen zum Nachdenken aus Natur- und Geisteswissenschaften

John Locke

John Locke (1632 – 1704) wurde am 29. August 1632 geboren, im selben Jahr wie Leibniz, Pufendorf und Spinoza. Ab 1652 studierte er am Christ Church College, Oxford klassische Wissenschaften einschließlich der Schulung in Aristoteles und der Scholastik. Seine akademische Karriere verlief für die damaligen Verhältnisse durchaus typisch, so las er ab 1660 Griechisch, dann 1662 Rhetorik und schließlich 1663 Ethik in seiner Alma Mater. Während seines Studiums zeigte Locke aber auch ein großes Interesse für Naturwissenschaften.Insbesondere die neu aufkommende empirische Methode, welche den Naturwissenschaften neue Wege eröffnete, faszinierte Locke, weshalb er regelmäßig medizinische und naturwissenschaftliche Vorlesungen. Zudem schloss er sich dem naturwissenschaftlichen Oxford-Kreis an, aus dem kurz darauf die Royal Society hervorgehen sollte. Die Royal Society wurde 1660 gegründet und ist noch heute die Nationale Akademie der Wissenschaften. Ihr gehörten unter anderem Robert Boyle und Isaac Newton an. Insbesondere mit letzterem verband Locke eine intensive Freundschaft. Drei Texte vom Anfang der 1660er zeigen, dass Lockes politische Ansichten damals noch nicht liberal waren, hatte er doch gegen die Rückkehr der autoritären Stuarts auf den englischen Thron nichts einzuwenden. 1661 starb Lockes Vater, was dem Denker eine bescheidene wirtschaftliche Unabhängigkeit einbrachte. Ab 1676 – aufgrund von Investitionen in den Überseehandel – wurde er ein reicher Mann.

Nach zwei Jahren 1665/66 als Sekretär einer diplomatischen Gesandtschaft in Kontinentaleuropa schloss sich Locke dem Haushalt von Lord Ashley, dem späteren Earl von Shaftesbury, an. Diese Stellung sollte für Locke in jeder Hinsicht einen ausschlaggebenden Umschwung bedeuten. Locke wurde zum Freund, Arzt, politischen Berater und Vertrauten des Earls sowie zum Erzieher dessen Enkelkinder. Unter dem Einfluss Shaftesburys und dessen Green Ribbon Club, aus dem die Whig-Partei hervorgehen sollte, wurden Lockes politische Auffassungen freiheitlicher und toleranter. Der Earl von Shaftesbury vertrat die Ansicht, England könnte ein Gewinn aus dem Handel mit den Kolonien ziehen. Auf sein Anraten hin setzte Karl II. das Board of Trade and Plantations ein: ein Komitee, das den König über die Lage der Binnenwirtschaft und über die internationalen Handelsbeziehungen informieren sollte, als dessen Sekretär John Locke eingesetzt wurde. Diese Funktion war prägend für Lockes liberale Eigentumskonzeption, wonach Eigentum durch Arbeit erworben wird. Der Regierung lieferte er damit eine Rechtfertigung für ihr Kolonisationsbestreben und für die damit einhergehende Vertreibung Einheimischer.

Als sich im Inland das politische Zerwürfnis zwischen Anglikanern und Katholiken ab Anfang der 1680er zuspitzte, musste Locke wegen seiner exponierten Stellung als Berater des oppositionellen anglikanischen Shaftesbury 1683 ins niederländische Exil fliehen. Mit 56 Jahren kehrte Locke nach England zurück, nachdem – im Zuge der Glorreichen Revolution – Jakob II. geflohen und Wilhelm von Oranien als neuer Monarch eingesetzt worden war. Zwischen 1689 und 1694 erschienen Lockes wichtigste philosophischen Werke: Neben dem theoretischen Hauptwerk Essay Concerning Human Understanding insbesondere die zentralen Arbeiten zu Lockes praktischer Philosophie, die Two Treatises of Government sowie Letter Concerning Toleration. Letztere entstand im holländischen Exil. Die Two Treatises wurden überwiegend zwischen 1680 und 1682 im Auftrag Shaftesburys als Streitschrift zur Abwehr einer katholischen Thronfolge geschrieben. Die Gegner des Königshauses Stuart (allen voran die Whigs) befürchteten, dass ein Katholik auf dem englischen Thron absolutistische Verhältnisse nach französischem Muster einführen könnte.

1696 wurde Locke nochmals in das Board of Trade and Plantations einberufen. Er entwickelte zahlreiche Initiativen – von Entwürfen zur Verbesserung der Handelsbilanz durch Diskriminierung ausländischer Anbieter bis hin zu Vorschlägen zur Bekämpfung der Armut. Seiner puritanischen Herkunft entsprechend ging Locke davon aus, dass Armut auf charakterlichen Mängeln der Betroffenen beruhe, weshalb Zwangsmassnahmen wie Strafdienst zur See, Zwangsschulung, Einweisung in Arbeitshäuser, Prügel oder Kinderarbeit zu den vorgeschlagenen Massnahmen gehörten. Mit seinen beiden Schriften zur Geldpolitik, Some Considerations of the Consequences of the Lowering of Interest, and the Raising of the Value of Money (1692) und Further Considerations Concerning the Raising of Money (1695), beteiligte sich Locke an der Währungsdiskussion. Zusammen mit Newton prägte Locke maßgeblich die englische Geldreform an der Wende zum 18. Jahrhundert. Die von Locke angestrebte Geldpolitik war antidirigistisch: Staatliche Eingriffe in den Kapitalmarkt hielt er nur dann für vertretbar, wenn sie die Handelsbilanz verbessern konnten. John Locke starb am 28. Oktober 1704.